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Veröffentlicht am 3. Juni 2026

Wie können Geodaten zum Schutz der Böden beitragen?

Böden sind eine der wichtigsten Produktionsgrundlagen in der Landwirtschaft und müssen dementsprechend nachhaltig bewirtschaftet werden.

Erosionsrisikokarte des Ackerlandes der Schweiz im 2x2-Meter-Raster auf der Basis von SwissALTI3D und kantonalen Flächendaten zum Ackerland (Stand 2021). Gezeigt wird das potentielle, qualitative Erosionsrisiko. Die Gesamtwertung wird einer von drei Gefährdungsstufen (keine Gefährdung, Gefährdung, hohe Gefährdung) zugeordnet, ohne dabei die Nutzung oder die Bewirtschaftungsweise des Bodens zu berücksichtigen. Berechnet wird der langjährige mittlere Bodenabtrag auf der Grundlage der Universal Soil Loss Equation (USLE).

Link auf die Karte: map.geo.admin.ch

Aktuelle Veranstaltung zu diesem Themenbereich

SOIL EVOLUTION
Die Fachveranstaltung für Bodenfruchtbarkeit und Bodenaufbau im deutschsprachigen Raum.
02.06. – 05.06.2026 in Bern, Gurten (Schweiz)

SWISS NO-TILL ist eine Schweizer Organisation, die eine bodenschonende Landwirtschaft fördert und auf dem Prinzip des No-Till (Direktsaat) basiert. Dabei wird der Boden möglichst wenig oder gar nicht bearbeitet. Kulturen werden direkt in den bestehenden Boden oder in Ernterückstände eingesät, um die Bodenfruchtbarkeit langfristig zu erhalten und Probleme wie Erosion, Bodenverdichtung und Humusverlust zu verringern.
Die Organisation wurde 1995 unter dem Namen IG NO-TILL gegründet und im Jahr 2000 in einen Verein überführt. Zu ihren Hauptzielen gehören:

  • die Förderung der Direktsaat,
  • der Erfahrungsaustausch zwischen Landwirtinnen und Landwirten,
  • die Wissensvermittlung,
  • die Weiterentwicklung nachhaltiger und bodenschonender Bewirtschaftungssysteme.

Das Thema ist zudem für Geodaten und Umweltmonitoring von besonderem Interesse, da es Fragestellungen wie Bodenbeobachtung, Anpassung an den Klimawandel, Kohlenstoffspeicherung im Boden, Erosionsschutz sowie nachhaltige Landnutzung betrifft. Diese Bereiche werden zunehmend mit Geodaten und Monitoring-Systemen verknüpft.
Im Jahr 2025 feierte SWISS NO-TILL ihr 30-jähriges Bestehen und versteht sich als Wissensplattform rund um den Boden mit dem Leitsatz:

Der Boden hat keine Lobby.

Landwirtschaftliche Perspektive:
Der Boden wird als lebendiges Ökosystem verstanden, das durch minimale oder keine Bodenbearbeitung, permanente Bodenbedeckung und vielfältige Fruchtfolgen geschützt werden soll. Ziel ist die Förderung von Humusaufbau, Biodiversität, Wasserspeicherung und Erosionsschutz.

Klimaperspektive:
No-Till steht in engem Zusammenhang mit Themen wie CO₂-Speicherung im Boden, der Widerstandsfähigkeit gegenüber Trockenheit und Starkregenereignissen. Eine zentrale Frage lautet, wie sich diese positiven Effekte – insbesondere der Humusaufbau – messen und nachweisen lassen.

Perspektive der Bodendaten:
Zahlreiche Schweizer Institutionen (BLW, BAFU, Agroscope, Kantone, NABO usw.) stellen Daten zu Böden, Erosion, landwirtschaftlichen Flächen oder Bodenqualität bereit. Durch deren Kombination lassen sich die Auswirkungen landwirtschaftlicher Praktiken besser analysieren und verstehen.

Geodaten-Perspektive:
Geodaten wie Höhenmodelle, Orthofotos, Landbedeckung oder Erosionsrisikokarten ermöglichen es zu analysieren, wo bestimmte landwirtschaftliche Praktiken besonders geeignet sind, wo Risiken bestehen und wie sich Landschaften im Laufe der Zeit verändern.

Perspektive der Datenräume und Register:
Hier geht es darum, Daten von Landwirtschaftsbetrieben, Kantonen, Bundesstellen, Forschungseinrichtungen oder Wirtschaftsakteuren in interoperablen Systemen zu verknüpfen, um belastbar nachweisen zu können, dass nachhaltige Landwirtschaft tatsächlich umgesetzt wird.

Internationale Perspektive:
Diese Fragestellungen stehen im Zusammenhang mit grösseren politischen Programmen wie dem European Green Deal, der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) oder dem Carbon Farming, bei dem Landwirte künftig für nachweisbare CO₂-Speicherung im Boden entschädigt werden könnten.

No-Till dient damit als Beispiel dafür, dass zukünftige Geodateninfrastrukturen nicht mehr nur die Frage beantworten sollen: «Wo befindet sich etwas?», sondern zunehmend auch: «Wie entwickelt sich ein Ökosystem über die Zeit?» – durch die Verknüpfung von Landwirtschaft, Klima, Boden, Biodiversität und Daten.